Die Gestapo Trier - Auf den Spuren einer verbrecherischen Polizei
Über die Gestapo Trier ist bislang nur wenig bekannt.
Die Aktenbestände dieser Organisation fehlen nahezu vollständig. Dennoch belegen zahlreiche Fallbeispiele, dass die Trierer Gestapo die in ihrem Hauptsitz in der Christophstraße verhörten Personen misshandelt hat und in vielfältiger Weise an verbrecherischen Taten beteiligt war. Das Wesen der hiesigen Gestapo-Behörde wird anhand von historischen Quellen und Augenzeugenberichten erforscht.
Als "völkische Polizei" fühlte sich die Geheime Staatspolizei im Dritten Reich dafür verantwortlich, alle als innere Feinde des "Deutschen Volkes" verdächtig geltenden Personen zu bekämpfen. Bis 1936 standen vor allem politische Funktionäre im Visier der Gestapo. In den folgenden Jahren weitete sie ihre Gegnerbekämpfung zunehmend aus. Ganze Bevölkerungsgruppen wurden unter Generalverdacht gestellt. Der Verhaftung durch Beamte der Gestapo folgte eine durch Gewaltanwendung und Folter gekennzeichnete Verhörpraxis, wobei es für die Opfer nicht allein bei dem mit der "Schutzhaftnahme" einhergehenden Freiheitsentzug blieb. Seit Kriegsbeginn verübte die Gestapo vielfach lokale Massaker und war entscheidend an dem flächendeckenden und systematischen Judenmord der Nationalsozialisten beteiligt.
Auf der Grundlage von Einzelnachweisen, Augenzeugenberichten und dem Wissen von personellen Verbindungen zu dem Konzentrationslager in Hinzert begibt sich das Forschungsprojekt der Universität Trier trotz der schwierigen Quellenlage nun auf die Suche. Ziel ist es, konkretere Erkenntnisse über das Wesen der hiesigen Gestapo-Behörde, ihrer genaueren Funktionsweise sowie ihrem Verhältnis zur örtlichen Bevölkerung und anderen lokalen Institutionen zu erhalten.
Tobias Trexler skizziert das Gesamtprojekt.
Öffnungszeiten: 18:00-22:00 Uhr
Art des Exponats: Exponat mit Vorträgen
Weitere Informationen: Forschungsprojekt
Aussteller:
Neuere und neueste Geschichte
grotum@uni-trier.de
Johanna Gouverneur, Dr. Thomas Grotum, Sebastian Heuft, Matthias Klein, Katharina Müller, Tobias Trexler
Veranstaltungen:
Der bespitzelte Spitzel: Die intimen Beziehungen der V-Frau P.
Das Personal der Gestapo reichte bei weitem nicht aus, um die Bevölkerung flächendeckend zu überwachen. Ohne Zuarbeit aus der Bevölkerung hätte sie ihren Ruf, allmächtig und allgegenwärtig zu sein, nicht aufrechterhalten können. Neben den zahlreichen Denunziationen spielten V-Leute, die gezielt von der Gestapo angeworben wurden, eine wichtige Rolle. Nur so war es den Nationalsozialisten möglich, an Informationen über Gruppen zu gelangen, die sich dem NS-Staat gegenüber als resistent erwiesen. Die sozialdemokratische und die kommunistische Arbeiterschaft, das katholische Milieu und im Krieg auch die Zwangsarbeiter waren das Ziel derartiger Bespitzelungen.
Die Motive, sich als V-Mann oder V-Frau anwerben zu lassen, waren vielfältig. Einschüchterungen und Drohungen spielten ebenso wie materielle Vorteile und ideologische Gesinnung eine wichtige Rolle. Aber was passierte, wenn der Spitzel selbst ins Visier der Gestapo geriet? Dann konnte aus einer 22-jährigen verwitweten Informantin schnell eine Frau mit zweifelhaftem Lebenswandel werden. Johanna Gouverneur von der Universität Trier erörtert an diesem Fallbeispiel die Bedeutung der angeworbenen Verbindungspersonen für die Arbeit der Gestapo. Sie beschäftigt sich in ihrer Staatsexamensarbeit mit den V-Leuten der Gestapo Trier in der Endphase des Zweiten Weltkrieges.
Ort: Club Toni
Art der Veranstaltung: Vortrag
Termin:
| 20:10 - 20:25 Uhr |
Der Rundfunkverbrecher: Sondergerichte der NS-Justiz
Sondergerichte waren Bestandteil der nationalsozialistischen Justiz. Bereits im März 1933 wurde an jedem Oberlandesgerichtsbezirk ein Sondergericht eingerichtet, das Straftaten nach der sogenannten Reichstagsbrandverordnung und der sogenannten Heimtückeverordnung verfolgte. Mit der Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen vom 7. September 1939 konnte das Abhören ausländischer Sender mit Strafen bis zur Todesstrafe belegt werden.
Ein Familienzwist vor dem Sondergericht: Im November 1939 erschienen auf der Gendarmeriewache in Bernkastel Frau H. und ihr Sohn. Beide zeigten sie den Familienvater Theodor H. wegen Abhörens ausländischer Sender an. Die Gestapo ermittelte gegen ihn und gaben den Fall an das Sondergericht Trier weiter. H. wurde am 20. Dezember 1939 zu 15 Monaten Zuchthaus verurteilt und wurde in der reichsweiten Presse als Rundfunkverbrecher bekannt gemacht. Während er seine Strafe absitzen musste, stellte seine Frau ein eher ungewöhnliches Gnadengesuch an die Trierer Staatsanwaltschaft. Matthias Klein, der sich in seiner Magisterarbeit mit Rundfunkverbrechen vor dem Sondergericht Trier beschäftigt, verdeutlicht anhand des Verfahrens, wie Familienkonflikte mit Hilfe der NS-Justiz ausgetragen worden sind.
Ort: Club Toni
Art der Veranstaltung: Vortrag
Termin:
| 20:30 - 20:45 Uhr |
Die Gestapo Trier - Auf den Spuren einer verbrecherischen Polizei
Ort: Club Toni
Personen: Tobias Trexler
Art der Veranstaltung: Vortrag
Termin:
| 19:30 - 19:45 Uhr |
Die Verbrechen der Gestapo Trier im SS-Sonderlager/KZ Hinzert
Zwischen der Gestapo Trier und dem nahegelegenen SS-Sonderlager/Konzentrationslager Hinzert existierten zahlreiche Verbindungen. Besonders gefürchtet war das Vernehmungskommando, das aus mindestens 20 wechselnden Beamten der Gestapo Trier bestand. Unter Anwendung von Gewalt erzwangen die Polizisten Informationen und Geständnisse von den Inhaftierten. Prügel und Folter waren an der Tagesordnung.
Dass die Gestapo Trier als Dreh- und Angelpunkt für das Lager in Hinzert diente, belegt auch ein Ereignis aus dem Jahr 1941.
Am 16. Oktober brachten Angehörige der Trierer Dienststelle 70 sowjetische Kriegsgefangene, die in einem Arbeitskommando auf dem Truppenübungsplatz Baumholder eingesetzt waren, nach Hinzert. Dort wurden sie unmittelbar nach ihrer Ankunft mittels Injektion einer Zyankalilösung ermordet.
Im Vortrag werden die Beziehungen zwischen der Gestapo Trier und dem SS-Sonderlager/KZ Hinzert erläutert.
Ort: Club Toni
Art der Veranstaltung: Vortrag
Termin:
| 19:50 - 20:05 Uhr |
Kirche unter dem Hakenkreuz
Die Willkür des nationalsozialistischen Regimes und die Auseinandersetzungen mit der Katholischen Kirche werden am Beispiel der Durchsuchung des bischöflichen Generalvikaritats im Juni 1937 erläutert. 25 Gestapo-Beamte betraten ohne Durchsuchungsbefehl das Gebäude und beschlagnahmten Akten.
Am 16. Juni 1937 durchsucht die Gestapo Trier unter der Leitung des Krimi-naloberassistenten Müller das bischöfliche Generalvikariat des Bistums. Der damalige Bistumsarchivar und der Generalvikar versuchen die Beschlagnah-mung zahlreicher Akten mit List zu verhindern. Vor dem Hintergrund der Sittlichkeitsprozesse und des sich damit zuspitzenden Kirchenkampfes wer-den dennoch 64 Akten, überwiegend Personalakten, entwendet.
Das Vorgehen der 25 Gestapo-Beamten ist beispielhaft für die Willkür innerhalb des nationalsozialistischen Regimes denn einen Durchsuchungsbefehl für die Aktion des 16. Junis wird erst am Tag danach beim Hausmeister abgegeben.
Im Kurzvortrag werden die Auseinandersetzungen zwischen Gestapo und Katholischer Kirche in Trier in den 1930er Jahren am Beispiel dieser Haus-durchsuchung erläutert.
Ort: Club Toni
Art der Veranstaltung: Vortrag
Termin:
| 20:50 - 21:05 Uhr |
